Presse Service

14.10.2011

Menschlichkeit und Unvoreingenommenheit sind wichtige professionelle Eigenschaften von Ermittlern der Organe für innere Angelegenheiten

Am 16. September 2011 feiert einer der zahlreichsten und wichtigsten Dienste im System der Organe für innere Angelegenheiten – die Ermittlung seinen 19. „Geburtstag“. Als selbständige Einheit im System des Innenministeriums Russlands erschien Ermittlung 1992.

 

Der obere Ermittler der Verwaltung für die Organisation der Ermittlung der Hauptverwaltung des Innenministeriums Russlands im Gebiet Nischnij Novgorod der Oberstleutnant der Polizei Alexandr Walentinowitsch Karev hat uns geholfen, mit allen Feinheiten der Ermittlungsarbeit klarzukommen.

 

- Alexandr Walentinowitsch, erzählen Sie uns bitte, in welchen Straftaten ermitteln die Angehörigen der Ermittlungsabteilung?

 

- Entsprechend der geltenden Gesetzgebung befassen sich die Ermittler mit der Ermittlung von Verbrechen, die durch über 80 Artikel der Strafgesetzgebung der Russischen Föderation vorgesehen sind. Es geht dabei um Diebstähle fremden Eigentums, Zufügung körperlicher Verletzungen, Betrüge, Morddrohung, Rowdytum und anderes, die als Verbrechen leichten und mittleren Schweregrades eingestuft werden.

 

- Viele verwechseln Ermittler und Untersuchungsführer, worin besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Berufen? In beiden Fällen wird in Strafsachen ermittelt, in beiden Fällen werden schuldige Personen festgestellt und zur Verantwortung gezogen, sowohl Ermittler, als auch Untersuchungsführer treffen mit einer operativen Ermittlungsgruppe am Tatort ein. Führen sie nicht die gleiche Arbeit aus?

 

- Die Berufe des Ermittlers und des Untersuchungsführers sind nur auf den ersten Blick ähnlich. Es gibt viele Unterschiede. Einer davon ist die Schwere des Verbrechens. Während sich die Untersuchungsführer mit den schweren und besonders schweren Verbrechen beschäftigen, haben sich die Ermittler mit den Verbrechen leichten und mittleren Schweregrades auseinanderzusetzen. Der Unterschied betrifft auch die Fristen der Ermittlungen in einer Strafsache. Die Ermittler haben einen Monat, um in einer Strafsache zu ermitteln und sie mit einem Schuldspruch anhängig zu machen. Für die Untersuchungsführer sieht die Gesetzgebung dafür doppelt so viel Zeit vor. In ihrer gar nicht einfachen Arbeit müssen die Ermittler mit schwierigen Subjekten kommunizieren und hinter erdenkliche und unerdenkliche alltägliche Auseinandersetzungen, Skandale betrunkener Menschen, Familienkonflikte kommen. Gerade von den Kenntnissen der Ermittler, von ihrem Professionalismus, von der Fähigkeit, wichtige Entscheidungen schnell und korrekt zu treffen, hängt der Erfolg und die Qualität der Ermittlungen in vielen Strafverfahren ab.

 

- Welche Tatbestände, mit denen sich die Ermittler auseinandersetzen, sind in letzter Zeit am meisten verbreitet?

 

- Über 80% der begangenen Verbrechen, die in den Zuständigkeitsbereich der Ermittler fallen, sind geheime Entwendungen des fremden Eigentums oder einfach Diebstähle. In Bezirken, die an großen Einkaufszentren reich sind, werden wesentlich mehr Verbrechen begangen. Es geht um Entwendung der Waren aus den Läden, der Geldtaschen, Handys bei den unaufmerksamen Käufern, Diebstähle aus den Autos, die neben den Einkaufszentren geparkt sind. Unser nächstes großes Problem ist Raub ohne Gewaltanwendung gegenüber den Betroffenen. Ihre Anzahl hängt direkt von der Jahreszeit ab. Wir ermitteln auch in Verbrechen, die mit der Zufügung von körperlichen Verletzungen verbunden sind. Im Frühling hat man wegen der Verbrechen, die mit der illegalen Gewinnung von Tier-Ressourcen verbunden sind, wesentlich mehr Arbeit zu erledigen. Natürlich gibt es viele Strafsachen wegen illegaler Aufbewahrung und Absatz von Drogen.

 

- Sie haben über 15 Jahre dem Ermittlungsdienst gewidmet. Welches Strafverfahren, in dem Sie ermittelt haben, hat sich Ihnen eingeprägt?

 

- Jede Strafsache hat immer was Besonderes. Hinter jeder davon steckt das menschliche Schicksal, das menschliche Unglück. Zum Beispiel, mussten wir vor einmal mit einer operativen Ermittlungsgruppe wegen familiären Rowdytums los. Beim Betreten der Wohnung sehen wir überall Blutspritzer – an Wänden, auf dem Boden, an Möbeln. In der Küche und im Zimmer liegen Sachen und Geschirr durcheinander, auf dem Tisch ist das Tatwerkzeug zu sehen – das Messer mit rotbraunen Flecken auf der Klinge. Auf der Couch im Zimmer sitzt der Mann, dem die eingetroffenen Ärzte erste medizinische Hilfe leisten. Die Ärzte erzählen uns, dass der Betroffene viele Schnitte und Wunden auf dem Rumpf und an Extremitäten aufweist. In der Küche befindet sich die außer Rand und Band geratene verweinte Täterin. Eine angejahrte Frau, die keine Skandale und Schläge seitens ihres Mannes – des Trinkers mehr ertragen konnte, griff zum Messer und stach auf Tyrannen mehrmals ein, danach hat sie für ihn die Schnelle medizinische Hilfe per Telefon kommen lassen und die rechtsschützenden Organe über das Geschehen informiert. Einerseits ist vom juristischen Gesichtspunkt alles klar, es gibt den Betroffenen und den mutmaßlichen Täter, es gibt den Tatbestand. Aber sieht man die Situation von anderer Seite, von der Seite der Menschlichkeit an, so stellt es sich heraus, dass die Frau aus Ausweglosigkeit zum Messer gegriffen hat. Sie hatte keine Möglichkeit, alles aufzugeben und wegzugehen, sie ließ seine Schikanen und brutale Misshandlung eine längere Zeit über sich ergehen, bis ihre Emotionen kritischen Punkt erreicht haben. Als Ergebnis liegt sie wieder im Nachteil.

 

- Welche professionellen und persönlichen Eigenschaften soll ein Ermittler aufweisen, um positive Leistungen in seiner Arbeit zu erreichen?

 

- In dieser und vielen ähnlichen Situationen muss der Ermittler die wichtigste Eigenschaft dieses Berufes – die Menschlichkeit anwenden. Die Aufmerksamkeit gegenüber den Einzelheiten und die Gründlichkeit in der Ermittlung dürfen nicht zum Nachteil der Unvoreingenommenheit und Höflichkeit gereichen. Bei der Besichtigung des Tatortes, beim Verhör und bei der Gegenüberstellung müssen wir Psychologen werden, um den Menschen zum Sprechen zu bringen, hinter das echte Bild des Geschehens zu kommen und das Motiv zu verstehen, das den Menschen dazu bewogen hat, das Verbrechen zu begehen. Und denken Sie nicht, dass all dies nur dazu getan wird, um das Strafverfahren möglichst schnell abzugeben. Es kommt uns viel mehr darauf an, die Wahrheit in der Strafsache herauszufinden, auf der Grundlage des Gesetzes zu verstehen, inwieweit der Verschuldensgrad des mutmaßlichen Täters bedeutend ist.

 

Als ich in dieser Strafsache gegen die Frau, die ihrem Gatten körperliche Verletzungen zugefügt hat, ermittelt habe, hatte ich es als Mann und Ermittler, der keine Gewalt vor allem gegenüber dem schwächeren Geschlecht akzeptiert, nicht leicht. Man musste sich die Situation mit den Augen der betroffenen Frau ansehen. Ich habe mit der mutmaßlichen Täterin lange gesprochen, um ihren realen Zustand beim Begehen des Verbrechers zu verstehen. Viel Zeit habe ich den vorbeugenden Gesprächen mit ihrem Mann gewidmet, dem ich zu erklären versucht habe, welche Nachteile die familiäre Gewalt hat. Als Ergebnis schämte sich der Mann seines rechtswidrigen Verhaltens und gestand mir, dass er das Trinken längst aufgeben möchte. Er sieht, dass unter seinen unkontrollierbaren Skandalen im betrunkenen Zustand seine liebe (!) Frau leidet, aber er könne sich nicht beherrschen, dazu fehle ihm einfach die Willenskraft. Ich habe den Mann davon überzeugt, dass seine familiären Beziehungen noch zu verbessern sind, und er hat sich an das medizinische Zentrum für Behandlung des Alkoholismus gewandt.

 

Wenn man am Schicksal der Menschen teilnimmt, ist man später gegenüber ihrem weiteren Leben nicht mehr gleichgültig. Auch in diesem Fall war ich gegenüber dem weiteren Schicksal dieses Mannes und dieser Frau nicht gleichgültig. Im Nachfolgenden hat der betroffene Mann, der das Genießen von alkoholischen Getränken aufgegeben hat, seine Frau im Beisein von allen Anwesenden um Verzeihung gebeten und den Wunsch geäußert, sich mit ihr wieder zu vertragen. Und das Gericht war auf ihrer Seite.

 

- Diese Geschichte hatte ein glückliches Ende. Laufen alle Ermittlungen so glücklich ab, sind danach alle mutmaßlichen Täter so ehrlich und folgsam, wenn sie vor Gesetz getreten sind?

 

- Natürlich, nicht alle. Einige versuchen, die Strafe zu vermeiden, sie wollen mit der Sprache nicht heraus, lügen beim Verhör, obwohl im Strafverfahren unwiderlegbare Beweise ihrer Schuld vorliegen. Einige verletzen die gewählte Unterbindungsmaßnahme und beginnen, sich vor den Ermittlungsorganen zu verstecken. Mit solchen Menschen machen wir kurzen Prozess: wir finden sie und wählen eine schärfere Unterbindungsmaßnahme. Meiner Ansicht nach erkennen nur 30% der Bürger, die bei der Ermittlung der Strafverfahren als mutmaßliche Täter angesehen werden, dass sie einen Fehler begangen haben, der über die Grenzen der geltenden Gesetzgebung hinauskommt.

 

- Welcher ist der emotionalste Tag, den Sie in Ihrer Arbeit in der Ermittlungsabteilung erlebt haben?

 

- Was die Emotionen angeht, die mit der Ausübung der Diensttätigkeit verbunden sind, so gibt es diese in meiner Praxis nicht wenige. Zusammen mit meinen Kollegen habe ich mehrere spannende Tage im Sommer 2010 in Vyksa des Gebiets Nischnij Novgorod erlebt, als ich eine Ermittlungsgruppe leitete, die den Angehörigen des Ermittlungskomitees geholfen hat, die Folgen von Waldbränden festzuhalten. Dort wurde ich, wie nie zuvor, mit dem menschlichen Unglück konfrontiert, das seinen Höhepunkt erreicht hat. In den niedergebrannten Dörfern haben wir den einheimischen Einwohnern Hilfe geleistet, die um ihre Häuser und das ganze Eigentum kamen, das sie im Laufe ihres Lebens erworben haben, sowie mit eigenen Augen das Unglück der Menschen gesehen, die ihre Verwandten wegen Naturkatastrophe verloren haben. Viel Leiden habe ich auch während beider Dienstreisen in die nordkaukasische Region gesehen.

 

Und wenn es nach den positiven Emotionen ginge, so habe ich, wie jeder Angehörige der Organe für innere Angelegenheiten, bei der Eidablegung, beim Erwerb des ersten dienstlichen Ausweises, des ersten speziellen Ranges unvergesslichen Stolz auf sich selbst verspürt.

 

- Solche schwierige Arbeit muss Ihnen viel persönliche Zeit nehmen? Müssen Sie sich auf Arbeit länger aufhalten?

 

- Der Angehörige der Organe für innere Angelegenheiten hat einen nicht genormten Arbeitstag. Das weiß jeder, der sich bei der Polizei einstellen lässt.

 

- Alexandr Walentinowitsch, was halten Ihre Verwandten von der Belastung auf Arbeit?

 

- Meine Frau ist ehemaliger Angehöriger der Ermittlungsabteilung und kennt wunderbar die Besonderheiten dieses Dienstes, deswegen bringt sie viel Verständnis für meine Arbeit auf. Und ich bin ihr dafür dankbar. Ich bin der Meinung, dass das Verständnis einer der wichtigsten Grundsätze des Familienglücks ist.

 

Es ist kein Geheimnis, dass die überwiegende Mehrheit der Angehörigen der Ermittlungseinheiten die Vertreter der schöneren Hälfte der Menschheit ausmachen. Es fällt ihnen sehr schwer, ein großes Arbeitsvolumen zu erledigen, dem Mann und den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken und häusliche Probleme zu lösen. Wenn sie dabei Verständnis und Unterstützung ihrer Nächsten spüren, so sind sie imstande, mit allen Schwierigkeiten schneller und leichter klarzukommen.

 

Die Sache ist die, dass die Arbeit in der Ermittlungsabteilung für viele von uns aus der Einkommensquelle zum Anliegen des ganzen Lebens geworden ist, das moralische Genugtuung aus dem Triumph des Guten über das Böse, der Wahrheit über die Lüge bereitet. Wir sind echt glücklich, wenn die verdiente Strafe die schuldige Person „einholt“, und die Betroffenen sich für die gemachte Arbeit bedanken. Deswegen kann man wegen Riesenarbeit zur Sammlung der Beweisstücke und der uns obliegenden Verantwortung für die Schicksale der Menschen die persönliche Zeit, Fest- und Feiertage opfern.

 

- Haben Sie irgend wann freie Zeit? Wenn ja, wie verbringen Sie sie?

 

- Meine Freizeit schenke ich voll und ganz meiner Familie und der Erziehung der vierjährigen Tochter. Auch gebe ich mir Mühe, meinen Eltern, die im Gebiet Nischnij Novgorod wohnen, im Haushalt zu helfen. Zur Zeit interessiere ich mich sehr für Schiffsmodellbau. Ich habe schon viele spezielle Bücher gelesen und bin dazu übergegangen, mein erstes Probeschiff zu bauen. Warum ausgerechnet Schiffe? Weil ich vielleicht am Ufer des Gorkovskij Stausees aufgewachsen bin und die Wasserweiten mag.

 

- Haben Sie am „Arbeitstag“ der Ermittlungseinheiten des Systems des Innenministeriums Wünsche an Ihre Kollegen?

 

- Vom ganzen Herzen wünsche ich allen Ermittlern Geduld, Optimismus und Erfolg im schwierigen Dienst, Fähigkeit, den Lebensproblemen würdig beizukommen. Ich wünsche auch Verständnis seitens der Verwandten und Familienangehörigen, sowie auch Riesenglück im Familienleben!

 

Natalya Evsina

Pressdienst der Hauptverwaltung des Innenministeriums Russlands im

Gebiet Nischnij Novgorod

 

 

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